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Lieblingsorte und Geschichten

WESSLING

Ilse Aigner mit Bischof Victor Josef Dammertz 1999
Ilse Aigner mit Bischof Victor Josef Dammertz 1999 ... auf dem Grünsinker Fest. An seinem 75. Geburtstag (8. Juni 2004) nahm Papst Johannes Paul II. das Emeritierungsgesuch von Dammertz an. Nach einigen Jahren als Hausgeistlicher der Schwestern von St. Alban in Dießen am Ammersee kehrte Dammertz im Januar 2018 in sein Heimatkloster St. Ottilien zurück

ERST DIE MESS, DANN DIE MAß...
Als ich vor etwa fünf Jahren eine Chronik über die Wallfahrtskirche Grünsink aus der Feder von Erich Rüba geschenkt bekam, dachte ich erst, was soll ich über diese kleine Kapelle inmitten eines idyllischen Waldstückes bei Weßling schon Neues erfahren? Ich wurde eines Besseren belehrt. Unter dem Titel "Erst die Mess' und dann die Maß" erzählt der Autor auf rund 270 Seiten Bekanntes und Unbekanntes, in jedem Falle sehr viel Neues für mich, aber auch sehr viel Wissenswertes. Persönlich kennen ich und meine Familie den Wallfahrtsort durch die Besuche während der zwei kirchlichen Höhepunkte im Juli und im August. Das bayernweit bekannte Zitat "Erst die Mess' und dann die Maß", das Grünsink eigen ist, zeigt deutlich, was die bayerische Lebensart so ausmacht. Nach dem feierlichen Gottesdiensten laden dort Firanten und Gastwirte zum gemütlichen Teil und zum Genuss kulinarischer Leckerbissen ein.
Überraschend für mich aber war, als ich auf Seite 211 nachlesen konnte, dass bereits unser Vater Heinrich sowie die damalige Bundestagsabgeordnete und heutige Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Beisein von Bischof Damertz, der im Juli 1999 vor rund 2000 Menschen im Freien die heilige Messe hielt, gern gesehene Gäste am Wallfahrtsort Grünsink waren.
Der Starnberger Merkur schrieb im Juli 1999: "Inmitten von Buden und bunten Luftballons ließ sich Bischof Dammertz in Begleitung von Landrat Heinrich Frey, der Bundestagsabgeordneten Ilse Aigner sowie Landkreispolitikern am Biertisch nieder und genoß nicht nur das Bad in der Menge, sondern auch die Weißwürste und einen kräftigen Schluck vom frisch gezapften Bier."

DIE LEGENDE UM GRÜNSINK

Ein Jäger aus der Herrschaft Seefeld verirrte sich um 1740 herum bei Dunkelheit in den weiten, fast undurchdringlichen, noch von Wölfen bewohnten Waldungen. In seiner Not gelobte er, wenn er das "Grüne Tal" (die grüne Siek) am Etterschlager Weg finden werde, aus Dankbarkeit ein Bildnis der Gottesmutter aufzustellen. Er fand den rechten Weg und erhielt von den Schluifelder Einödbauern, bei dem er übernachten durfte, ein vernachlässigtes Muttergottesbild zum Geschenk. Dieses Bild stellte er in einem hohlen Baum auf, was fortan viele Wallfahrer anzog, die von Heilungen und anderen Wundertaten erzählten.
Um die Ströme von Wallfahrern in geregelte Bahnen zu lenken, wurde 1762 beschlossen, die Grünsinker Kapelle zu errichten (Fertigstellung 1763) und dort im Innern auch das Marienbild aufzustellen. Die Grünsinker Feste finden jeweils Ende Juli sowie Mitte August statt. Quelle: "Erst die Mess und dann die Maß"/Erich Rüba

STARNBERG

Die zwei Löwen an der Uferpromenade...
Die zwei Löwen an der Uferpromenade...

Hier wohne ich mit meiner Familie, hier bin ich aufgewachsen und hier fühle ich mich wohl.
Die Kreisstadt zählt derzeit rund 24000 Einwohner, der Starnberger See aber, das wird sowohl von Einheimischen wie auch Besuchern, insbesondere aber von Kreisheimatpfleger Gerhard Schober behauptet, sei der schönste Seen im bayerischen Voralpenland. Der See ist es auch, der zahlreiche Touristen anzieht und selbst für Kurzurlauber ein paar Stunden Erholung bietet. Sei es durch eine Dampfer-Rundfahrt, durch den Besuch der vielen am See gelegenen Traditions-Gaststätten oder einfach nur durch einen Sprung ins erfrischende Nass. Wir haben aber auch ein heimatkundliches Museum, einen modernen Kultursaal am Schloßberg, zahlreiche innerörtliche Kneipen und Lokale, aber auch interessante Geschäfte. Als Einheimischer kann ich mit Fug und Recht sagen, Starnberg ist eine Reise Wert.

FELDAFING

Der Tourismus hat in Feldafing eine lange Tradition. Ist es doch die außergewöhnliche Lage des Ortes mit seinen abfallenden Hügelwiesen, die bis zum Ufer des Starnberger Sees reichen, in Sichtweite die Roseninsel und, insbesondere bei schönem Wetter, eine Gebirgskette, die als Postkartenmotiv dienen könnte.

Kreuzwegstation Kalvarienberg
Kreuzwegstation Kalvarienberg

Für Ausflügler aber lohnt mit Sicherheit ein Spaziergang auf den Kalvarienberg in Feldafing. Vorbei an 14 kunstvollen Stationshäuschen ist die Anhöhe zu erreichen. Von dort aus ist eine eindrucksvolle Fernsicht auf den Dorf, den Starnberger See und das Gebirgspanorama möglich. Passt das Wetter, gibt es auch freie Sich auf das Gebirgspanorama von der Benediktenwand bis hin zum Wettersteinmassiv.
Dass die 14 gusseisernen Kreuzwegstationen, eröffnet 1892, heute noch erhalten sind, ist der Hartnäckigkeit der Feldafinger Bürger zu verdanken. Als der Freistaat 1995 den Kalvarienberg aus Sicherheitsgründen schließen ließ, starteten sie einen Spendenaktion. Weil sich zudem der Freistaat Bayern, die Diözese sowie die katholische Kirchenstifung in Punkto Herstellung des herunter gekommenen Kreuzweges und auch nicht über die finanzielle Aufteilung der Kosten einigen konnten, gründeten die Feldafinger im Jahr 1998 eine Initiative "Zur Erhaltung des Kalvarienbergs". Dank einem Spendenaufkommen von rund 20000 Euro wurde das Sanierungskonzept ohne Mitwirkung der Kirche umgesetzt. 2006 wurde er in neuem Glanze feierlich eingeweiht.

TUTZING

Evangelische Akademie Tutzing
Evangelische Akademie Tutzing

Im Fokus der Gemeinde Tutzing steht zweifelsfrei die Evangelische Akademie im alt ehrwürdigen Schloß oberhalb des Starnberger Sees. Für mich immer einen Besuch Wert. Für die Fortbildung gleichermaßen wie auch für einen Spaziergang durch den herrlich angelegten Park. In der 1986 erschienenen Chronik "Schloß und Akademie Tutzing" wird die Atmosphäre folgendermaßen beschrieben: "Üppig wuchern Efeu und wilder Wein an goldgelben Fasaden, in heißen Sommertagen randvoll mit buntem, aufgeregtem Vogelgezwitscher. Verhalten schlägt die Glocke vom Turm. Für einen Augenblick übertönt sie das Geplätscher der Brunnen im inneren Hof. Wappenschilder im Torbogen und an schmiedeeisernen Fenstern erinnern an andere, die hier einst aus- und eingingen. Ihre Namen sind verklungen, versteckt in Adelskalendern und Wappenbüchern...".
Seit 1947 dient das Schloß der Evangelischen Akademie Tutzing als Begegnungstätte. Als faires Forum für die Fragen der Zeit spielte sie seit vielen Jahrzehnten einen gewichtigen Part im Prozeß öffentlicher Meinungsbildung. Ein eindrucksvolles und farbiges Beispiel dafür, wie sich unter weiß-blauem Himmel Traditionsbewußtsein und Weltoffenheit, Glaube und Denken, Kultur und Christentum verbinden. Wie steht es doch in der Chronik abschließend geschrieben: "Schloß und Akademie Tutzing - ein Ort, an dem sich aufatmen lässt."

HERRSCHING

Wenn meiner Familie, insbesondere den Buben, wieder einmal so richtig zum Gruseln zumute ist, wandern wir in den Fichtenwald zwischen dem Herrschinger Ortsteil Wartaweil und der Erlinger Höhe. Ein wahrlich Sagen umwobener Ort, soll doch dort oben der Schäuferlmann sein Unwesen getrieben haben. Gut, dass es das Dorf Ramsee gegeben hat, ist unbestritten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein sollen dort ein paar Bauern ihrem Handwerk nachgegangen sein. Was dann wirklich geschah, darüber rätseln noch heute Historiker und Geschichten-Erzähler. Ob Ramsee tatsächlich durch ein Großfeuer vernichtet wurde, oder – wie durch mündliche Überlieferungen behauptet wird – die Einwohner jämmerlich zugrunde gingen, weil sie dem Andechser Bier verfallen waren, bleibt dahin gestellt. Einzig Pater Emmeran Heindl hat eine fast glaubhafte Geschichte anno 1895 aufgeschrieben. Laut der Aufzeichnungen habe sich bei der Brücke bei Ramsee der Schäuferlmann aufgehalten. Ein Gespenst, das verurteilt worden war, unter dem Brückerl tagein tagaus zu schaufeln. An ihm vorbei kam nur, wer Weihwasser mit sich führte. Nach einem fidelen Abend habe ein leicht angetrunker und übermütiger Landwirt auf das geweihte Wasser verzichtet und sich ohne dieses auf den Heimweg von Andechs gemacht. Da sei ihm bei der Brücke der Schäuferlmann erschienen, der ihn bis zu seinem Hofe gejagt und dann noch die Schaufel über den Kopf gezogen hatte. „Der Bauer musste sofort ins Bett und war acht Tage später eine Leiche“, schreibt Pater Emmeran Heindl. Als dann der Verstorbene aus dem Haus getragen wurde, um nach Herrsching überführt zu werden, „fingen die Rosse des Leichenwagens ein solches Gewieher an“, dass sich laut Überlieferung „alles darüber verwunderte“. Heute erinnert im Fichtenwald bei Herrsching lediglich noch ein Gedenkstein an das verschwundene Dorf mit der Inschrift "Hier stand die Ortschaft Ramsee mit dem Kirchlein St. Nikolaus - abgebrochen 1860 resp. 1864". Gelegentlich jedoch soll der Schäuflermann erneut vom Wege abgekommenen Andechsbesuchern erscheinen und sie gar arg erschrecken. Wenn Sie mich fragen, nehmen Sie bei Ihrer nächsten Wanderung durch den Fichtenwalt lieber ein Kacherl Weihwasser mit.

GILCHING

Im ASTO-Park sind mittlerweile...
Im ASTO-Park sind mittlerweile... über 3000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Wenn sich eine Gemeinde "Laptop und Lederhose" auf die Fahne schreiben kann, dann ist es die Gemeinde Gilching. In keiner anderen Kommune schießen derzeit so viele Unternehmen aus der Hightech-Branche sowie Startups aus der Luft- und Raumfahrt aus dem Boden, wie im westlichsten Teil des Landkreises. Bemerkenswert aber ist meines Erachtens, dass nach der Insolvenz bei Fairchild-Dornier und dem Verlust mehrerer tausend Arbeitsplätze keineswegs Untergangsstimmung aufgekommen ist. Vielmehr haben es die Investoren des ASTO-Parks geschafft, rund um Gilching und Oberpfaffenhofen hochkarätige Firmen an Land zu ziehen, die heute mehr Arbeitsplätze anbieten, als es je gewesen sind. Doch auch die Landwirtschaft ist hier noch heimisch. Es gibt unter anderem den Kreisbauern Georg Zankl, der eine Schweinezucht betreibt, den Milchbauern Martin Dosch sowie die Kreisbäuerin Anita Painhofer, die mit Ehemann Willi unter anderem Kartoffeln anbaut. So viel ich bisher mitbekommen habe, wird in Gilching auch durch zahlreiche Vereine das Brauchtum und die Tradition hoch gehalten. Wie gesagt, Laptop und Lederhose - ein Erfolgsprojekt.

GAUTING

Wenn ich durch Gauting fahre oder aber auch in der Würmtalgemeinde bummeln gehe, fällt mir unweigerlich Kaiser Karl ein. Warum? Es ist zwar nicht bewiesen, aber einer Legende nach soll er dort in der Einöde Reismühl geboren sein. Ursprünglich sollte die Mutter von Kaiser Karl mit dem Frankenkönig Pippin verheiratet werden. Laut Überlieferung (handschriftliche Aufzeichnungen aus dem 13. Jahrhundert des Klosters Weihenstephan) habe sich Pippin im Jahre 740 in einem Schloß bei Weihenstephan auf. Dorthin schickte der König der Bretagne ein Bild seiner Tochter Berta, worauf hin Pippin sofort begeistert war und schickte auch sofort eine Gesandschaft in die Bretagne, um seine Braut abzuholen. Der Anführer aber dieser Abordnung, ein roter schwäbischer Ritter und der Haushofmeister Pippins gab seinen Knechten den Auftrag, Berta im Königswiesener Forst zu töten. Egoistische Ziele steckten dahinter. Er wollte dem König seine eigene Tochter als Gemahlin zuführen. Die Knechte aber hatten Mitleid, ähnlich wie im Märchen von Schneewittchen, töteten anstelle von Berta einen kleinen Hund, um dem Haushofmeister den blutigen Beweis zu liefern. Die Bretonische Prinzessin allerdings ließen sie alleine im Wald zurück, wo sie letztendlich bei dem gütigen Reismüller Unterkunft fand. Ihren Unterhalt verdiente sie durch Weben und durch Mithilfe im Haushalt der zwei Töchter des Reismüllers. Der Schwindel flog nach sieben Jahren auf. König Pippin zog seinerzeit von Weihenstephan aus zur Jagd in die Wälder südlich von München und wie es der Zufall wollte, übernachtete er mit seinem Gefolge in der Reismühle. Spannend auch, dass ihm sein persönlicher Sterndeuter vorhersagte, in dieser Nacht ein eheliches Kind zu zeugen, das einst sehr mächtig werde. Ein weiterer Zufall wollte es, dass er durch ein Fenster in der Reismühle Berta entdeckte, die an ihrer Hand den Fingerreif trug, den er ihr damals durch den Gesandten als Verlobungsgeschenk mit gegeben hatte. Er begrüßte Berta als echte Königsbraut und zeugte noch in gleicher Nacht Sohn Karl, den späteren Kaiser. Berta aber sei bis zur Geburt des Sohnes in der Reismühle geblieben. Sein ehemaliger Haushofmeister und dessen Tochter aber wurden verbannt und auch nie mehr gesehen.

BERG

Der wohl berühmteste auch gleichermaßen aufmüpfige wie umstrittene Sohn der Gemeinde Berg ist zweifelsfrei Oskar Maria Graf (22. Juli 1894 in Berg; † 28. Juni 1967 in New York City). Ein Querdenker, der als Bäckerssohn geboren wurde und es in seiner Heimat nicht immer leicht hatte. Über Jahrzehnte war er weder anerkannt noch erwünscht. Nicht so bei Joseph Ücker, damals Bürgermeister der Gemeinde Berg (1978 bis 1994). Er tat alles, den berühmten Sohn wieder zurück in die Heimat zu holen. Ücker hat es geschafft. Zumindest in Form eines Denkmals, das heute am Ortseingang von Berg steht (Foto). Anlässlich des 100sten Geburtstags des Schriftsteller im Jahr 1994 fand außerdem eine Ausstellung statt. War es Schicksal oder hat ihn Bergs lange verschmähter Bürger gar zu sich gerufen? Man weiß es nicht. Jedenfalls starb Ücker inmitten seiner Eröffnungs-Rede im Sitzungssaal des Rathauses. Ücker erzählte gerade davon, wie sich Graf im Exil in New York als Bayer wohl gefühlt haben muss - und brach inmitten des Satzes: "... er hod immer a Ledahosn... a Lederhosn.. a...!" tot zusammen.
Für mich stets erfrischend ein Passus aus Grafs "Bayrisches Lesebücherl". Unter anderem schrieb er: "Ich habe es nie nicht mit der schweren Arbeit gehabt, weil man da doch zu nichts kommt, höchstens zu einem Berufsleiden. Hinwiederum einen Beruf muß ein ordentlicher Mensch doch haben, sonst meint man gleich, er ist ein Hilfsarbeiter und kann gar nichts und hat keinen Respekt vor ihm. Folgedessen habe ich schon als Schulbub und Bäckerlehrling daheim oft stundenlang nachsinniert, wie ich zu einem Beruf kommen kann, der wo fast gar keine Mühen und Umstände macht, weil man sich als Bäcker sehr plagen muß. So bin ich auf die Idee gekommen, die Schriftstellerei zu betreiben...".

ANDECHS

WUSSTEN SIE EIGENTLICH ... dass die "Erlinger Zeit" mit Errichtung einer Postexpedition begann?
Laut Leonhard Jahn aus Herrsching ("100 Jahre Post in Herrsching a. Ammersee") ist im damaligen Berufungsblatt anno 1862 Folgendes zu lesen:

Alte Schmiede im Ortsteil  Erling
Alte Schmiede im Ortsteil Erling

"Nach Erschließung des kgl. Oberpostamtes München vom 13. Juni 1862 unter Nummer 16388 wird eine Carriol-Post-Verbindung von Starnberg über Erling nach Dießen im kürzester Zeit in Betrieb genommen. Begründung: Nachdem durch das Kloster Andechs bei Erling großer Verkehr herrscht, wird obige Postwagenverbindung eingerichtet, welche am 1. Juli 1862 in Betrieb genommen wird. Gleichzeitig ist die Eröffnung einer Postexpedition in Erling mit in Verbindung zu bringen, und soll ein Bewerber für diesen Postdienst in Erling gesucht werden... ".
Der wurde in Johann Panzinger, Gasthof zum "Unteren Wirt", gefunden. Die Vergütung lag bei jährlich 100 Gulden zuzüglich fünf Prozent Tantiemen aus den Abrechnungen für Brief- und Fahrpost, aus den Zeitungsgeldern und dem Briefmarkenverkauf. Dazu kamen die Gebühren für die Rekommandationsscheine und die Einschreibegebühren für Reisende. Die geforderte Kaution in Höhe von 500 Gulden wurde in Form einer Hypothek auf das Anwesen geleistet.

SEEFELD

BADETAG ANNO DAZUMAL
BADETAG ANNO DAZUMAL

BADETAG ANNO DAZUMAL
Wenn ich an den Seefelder Ortsteil Hechendorf denke, fällt mir stets der Liftlmaler Helmut Schwarz ein. Leider habe ich ihn persönlich nie kennen gelernt, er verstarb im Juli 2018 im Alter von 72 Jahren. Doch vor etwa drei Jahren fiel mir zufällig ein in Eigenproduktion erstelltes Heft mit ganz persönlichen Geschichten in die Hände. "Erinnerungen an die Zeit von 1948 bis 1965" ist der Titel. Geschichten die eine Kindheit auf dem Dorfe beschreibt und die er außerdem liebevoll illustrierte. Es sind Erinnerungen, die Einblick in die Zeit gibt, in der der Alltag nicht immer einfach war.
Eine dieser Geschichte hat mich besonders berührt, weil ich das Szenario auch aus Erzählungen unserer Großeltern kannte. Es ging um den Badetag zu einer Zeit, als Badewannen oder moderne Duschen im eigenen Heim nicht üblich waren.
Hier kurz ein Ausschnitt aus Schwarz' Aufzeichnungen:
"Allwöchentlich, immer am Samstag, wiederholte sich der Ritus. Es war Waschtag zugleich auch Badetag der Familie. Im Keller war für die Wäsche ein großer Waschkessel installiert, der aus einem runden Unterbau mit einem Durchmesser von etwa 90 Zentimeter und einer Höhe von rund 60 Zentimeter mit Feuerloch, Ofentüre und Aschenschuber ausgestattet bestand. Gefertigt aus einer speziellen Beton-Mischung aus dem Hause Wamsler. Auf den Unterbau aufgesetzt war ein ebenfalls aus dem Beton gefertigter Ring, in den ein Kupferkessel mit Ablaufhahn gesetzt wurde. Der Waschkessel war mittels Ofenrohr an den Kamin angeschlossen.
Für die körperlich Reinigung gab es bei uns eine verzinkte Volksbadewanne, die mitten im Waschhaus stand. Dort hinein wurde das mittlerweile im Waschkessel heiß gewordene Wasser geschöpft und so lange mit kaltem Wasser aufgefüllt, bis es die richtige Betriebstemperatur hatte.
Aus Gründen der Sparsamkeit badeten an diesem Tage alle Familienangehörigen. Ich kam immer am späten Nachmittag als erster dran. Die Mama seifte mich dann von oben bis unten inklusive Haare mit Kernseife ein. Die Kernseife war hart und kantig und die zupackenden Hände meiner Mutter taten ihr Übriges. Abgetrocknet wurde ich mit einem Handtuch, das brettlhart war. Das tat zwar meiner zarten Kinderhaut nicht gut, förderte aber laut meiner Mutter die Durchblutung. Nach mir vollzogen die übrigen Familienmitglieder ihren wöchentlichen Badetag."

INNING

Am Ammersee-Ufer gibt es...
Am Ammersee-Ufer gibt es... noch Wege zum Wandern

ERHOLUNG RUND UM INNING
Dass die die Gemeinde Inning mit dem Verkehrsknotenpunkt Stegen einst beliebtes Ausflugsziel erholungssuchender Münchner war, schwer vorstellbar. Gab es doch seinerzeit weder eine Bahnverbindung, noch war es üblich, dass die "einfachen Bürger" ein Auto besaßen. Wer also an den Ammersee wollte, musste eine aufwändige Reise auf sich nehmen. Deshalb war es durchaus üblich, gleich einen längeren Aufenthalt zu planen. Von München aus ging es nämlich mit dem Zug erst einmal zur Eisenbahnstation Grafrath und von dort mit der "Flußdampfschifffahrt" auf der Amper bis nach Stegen. In einer Werbeschrift des "Münchener Vier-Seengebiet-Verkehrsverbandes" (Ammersee, Pilsensee, Wörthsee und Weßlinger See) mit Sitz in Herrsching war damals hoffnungsvoll von einer direkten Bahnverbindung die Rede. "...aussichtsreiche Bestrebungen für eine unmittelbare Bahnverbindung von Stegen nach München sind im Gange", war in der Broschüre anno 1925 zu lesen. Bekanntlich ging der Wettbewerb um die begehrte Bahnverbindung zugunsten München - Herrsching aus. Wobei hier das mächtige Wort des Grafen zu Toerring eine wichtige Rolle gespielt haben soll.
Dennoch ist Inning auch heute noch einen Besuch Wert. Weitläufige Spaziergänge am Ufer des Ammersees oder in die nahe gelegenen Wälder bieten insbesondere uns als Familie mit Kindern ein reichhaltiges Angebote für spannende Ausflüge.

PÖCKING

Peter von Quadt
Peter von Quadt Initiator der Petö-Methode in Niederpöcking

Etwas oberhalb vom Ufer des Starnberger Sees liegt Pöckings Ortsteil Niederpöcking. Dort hat das Ehepaar Peter und Hanni von Quadt vor gut 25 Jahren einen unbeschreiblichen Siegeszug in Punkto "Petö-Methode" angetreten. Bewundernswert, dass die erste in Deutschland intiierte konduktive Betreuungs-Einrichtung für Kinder in Niederpöcking und einem engagierten Verein zur Verbreitung der Petö-Methode mittlerweile viele Nachahmer in ganz Deutschland gefunden hat. Entwickler der so genannten konduktiven Förderung war der ungarische Arzt András Petö (1893 bis 1967). Petö entwickelte sein heilpädagogisches Verfahren bereits in den Jahren 1911 bis 1916. Er verband Elemente aus Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie mit der Rehabilitation von spastisch-gelähmten Kindern. Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf er aufgrund jahrelanger praktischer Arbeit seine kombinierte neuropädiatrisch-pädagogische Therapie für cerebralgeschädigte Kinder und Erwachsene. Ziel dieser Methode ist, die betroffene Person in allen wichtigen Bereichen des Alltags von fremder Hilfe oder von Hilfsmitteln weitgehend unabhängig zu machen.
Anlass für die von Quadts, die Petö-Methode nach Deutschland zu holen, war Sohn Simon, dem Ärzte wegen seiner cerebralen Schädigung von Geburt an ein Leben im Rollstuhl vorher sagten.
"Jedes Jahr sind tausende von Eltern nach Budapest gefahren, um ihre Kinder dort zumindest zeitweise mit dieser Methode behandeln zu lassen", betont Peter von Quadt, Vorsitzender von FortSchritt. "Nachdem wir mit unserem Sohn nur positive Erfahrungen gesammelt haben, war das Grund genug, hier eine ähnliche Bewegung ins Leben zu rufen". Der Verein, der nicht nur in Niederpöcking eine heilpädagogische Kindertagesstätte eingerichtet hat, versteht sich hauptsächlich als Selbsthilfegruppe, die betroffene Eltern im Klinik- und Therapiealltag unterstützt; doch er setzt sich auch aktiv für die Petö-Therapie und die Verbreitung derselben ein.

KRAILLING

Die Gemeinde Krailling hat ein ganz besonderes Merkmal. Einerseits gehört sie wegen der Verschmelzung mit Planegg zur Pfarrei Planegg, hat auch diesselbe Postleitzahl und gehört postalisch noch zu München, weshalb die Vorwahl auch 089 ist. Verwaltungstechnisch aber gehört die rund 14 Kilometer von Starnberg entfernte Gemeinde zum Landkreis Starnberg.

MÄUSEPLAGE SORGTE FÜR HUNGERSNOT
Und wie in vielen anderen Gemeinden auch, gibt es in Krailling eine Sage, bei der Mäuse eine Rolle spielen. Irgendwann nämlich, vor vielen und mehr Jahren noch soll dort eine fürchterliche Mäuseplage den Menschen das Leben schwer gemacht haben. Die Ernte wurde gänzlich vernichtet, die Bauern waren der Verzweiflung nahe. Selbst die Gemüse- und Obstgärten der Einwohner wurden ratzekahl gefressen. Damit nicht genug. Die Menschen waren selbst in ihren Häusern nicht sicher vor diesen gierigen Nagetieren. Das Wenige, was an Lebensmitteln vorhanden war, wurde Opfer der Mäusefamilien. Und wer jetzt die berechtigte Frage stellen mag, gab es damals keine Katzen? Ja, die gab es. Doch die flüchteten vor dieser Übermacht und versteckten sich vor lauter Angst in den dunkelsten und geheimsten Ecken.
Je nun, die Kraillinger waren Tag und Nacht damit beschäftigt, Fallen zu bauen und diese aufzustellen. Es half nichts. Selbst durch vergiftete Weizenkörner nahmen die Mäuse keinen Schaden… Möglich, dass ihnen kurzzeitig schlecht wurde, doch vernichtet werden konnten sie durch das Gift nicht. Die Leute hatten gar den Verdacht, mit jeder Maus, die zufällig erschlagen werden konnte oder eines natürlichen Todes starben, kamen hunderte nach.
In ihrer Not flehten die Bauern letztendlich die Schutzheilige ihrer Kirche, die Hl. Margarete an. Sie gelobten im Fall der Hilfe eine Bittprozession für alle Zeiten. Kaum mag man es glauben, es wirkte. Die Mäuse verschwanden wie sie gekommen waren und die Not hatte ein Ende. Seither aber wiederholen die Kraillinger an jedem dritten Sonntag im Juli ihre „Margartenprozession“.

WÖRTHSEE

Joachim Königbauer
Joachim Königbauer

Kürzlich habe ich zufällig in einem Antiquariat ein kleines, gelbes Büchlein mit dem Titel "Eine Kindheit auf dem Dorf - 1849 bis 1862" entdeckt. Irgendwie hat es sofort mein Interesse geweckt. Verfasser ist Joachim Königbauer (1849 bis 1935), der als Schullehrer von Etterschlag viele Generationen durch ihre Schulzeit begleitet hat. Den Kauf habe ich nicht bereut. Königbauers Aufzeichnungen sind zum einen mit einer gehörigen Portion Humor versehen, geben aber auch Einblick in eine Zeit, wo es weder moderne Technologie noch kommerziellen Überfluss gab. Fängt man zu lesen an, möchte man gar nicht mehr aufhören. Da Weihnachten vor der Türe steht - in den Supermärkten ist das Fest längst eingekehrt - möchte ich einen kleinen Ausschnitt aus Königbauers Erinnerungen an das damalige Weihnachtsfest geben:
"Sehr verschieden von der Gegenwart gestaltete sich in meiner Jugend das Weihnachtsfest für die Kinder Etterschlags... Vom Christbaum mit seinem Schmuck und Lichterglanz und den herrlichen Gaben, die die Augen der Kinder groß und glänzend machen, wußte man in Etterschlag nichts. Wir Kinder gingen abends um sieben Uhr in das Bett, standen um zehn oder halb elf Uhr wieder auf und waren mit den Erwachsenen um zwölf Uhr nachts beim Festgottesdienst in Walchstadt, von dem wir um halb zwei Uhr wieder zurück kehrten. Nun versammelte sich die ganze Familie um den Tisch, den bald warme Blut- und Leberwürste, sowie Schmalznudeln zierten. Wir ließen uns die leckeren Gaben trefflich schmecken, legten uns sodann in das Bett und erhoben uns um halb sieben Uhr wieder, da um sieben Uhr in Etterschlag feierliches Amt war. Schwer lagen uns die wenigen Ruhestunden auf den Gliedern, noch schwerer die fetten Leberwürste im Magen. Das Erwachen war häufig kein frohes...
Als später die Kunde nach Etterschlag drang, dass in München in mancher Familie am Christabend ein mit Lichtern geschmückter Tannenbaum aufgestellt und jedes Familienmitglied mit einem Geschenk bedacht werde, schüttelte man im ganzen Dorfe den Kopf und sagte: "Das ist lutherisch!"."
Die Etterschlager verbanden laut Königbauer seinerzeit echt heidnische Anschauungen. Wer zum Beispiel in der heiligen Nacht in der Kirche während der Wandlung durch das Griffloch eines Schemels, der aus neun verschiedenen Hölzern gemacht ist, sieht, kann alle Hexen und Druden des Dorfes erkennen. Ein weiterer Brauch war, am Weihnachts- oder aber auch am Silvesterabend legte man zwölf Zwiebelschalen aus, bestreute sie mit Salz und glaubte, je nach der Feuchtigkeit, die sie schließlich zogen, den Witterungscharakter der einzelnen Monate des kommenden Jahres weissagen zu können...
Joachim Königbauer, nach dem einen Straße in Etterschlag benannt ist, kam am 12. März 1849 als zwölftes und letztes Kind in einer bäuerlichen Familie zur Welt. Den Namen Joachim bekam er zu Ehren des Weßlinger Pfarrers Joachim Dellinger, zu dessen Amtssprengel auch Etterschlag gehörte. Illustriert wurde das Büchlein, das im Oreos-Verlag 1987 neu aufgelegt wurde, durch Paul Ernst Rattelmüller. Erstmals erschienen ist es im Mai 1925.